75 tschechische Autorinnen und Autoren vertreten vom 7. bis 11. Oktober 2026 auf der Frankfurter Buchmesse ihr Heimatland, darunter Jaroslav Rudiš, Alena Mornštajnová, Radka Denemarková und Jáchym Topol. In der Buchausstellung „Books on Czechia“ im Ehrengast-Pavillon stellen Verlage aus aller Welt aktuelle Titel rund um Tschechien vor. Lesungen, Debatten, Theater- und Musikveranstaltungen ergänzen das Programm. Teil des „Jahres der tschechischen Kultur in den deutschsprachigen Ländern“ ist die Ausstellung More is NOW! Neue tschechische Architektur im Deutschen Architekturmuseum Frankfurt. Vom 19. September 2026 bis 17. Januar 2027 zeigt sie 28 zeitgenössische Projekte vorwiegend jüngerer tschechischer Planer. Im Mittelpunkt steht ihr Umgang mit Landschaft und historischem Erbe sowie neue Technologien und gesellschaftliche Veränderungen.
Die Stadt, die Schrifststeller nicht loslässt
„Dieses Mütterchen hat Krallen.“ Prag ist untrennbar mit Franz Kafka verbunden. Doch die Literatur, die sich auf die geheimnisvolle Stadt bezieht, reicht weit über das Werk eines einzelnen Autors hinaus. Bis heute inspiriert die tschechische Hauptstadt internationale Bestseller und dient als Kulisse für Romane und historische Erzählungen – zuletzt für den Sci-Fi-Thriller „The Secret of Secrets“ (2025) von Dan Brown. Wer den Spuren seiner Figur Robert Langdon folgen möchte, begibt sich ins jüdische Viertel und zur Prager Burg. Anlässlich der Kampagne „Lesen Sie in Prag wie in einem Buch“ führt eine illustrierte Karte zu literarischen Orten wie dem Café Louvre, in dem einst Kafka oder Rilke saßen. Das Café Slavia wiederum erinnert mit dem Frühstückscocktail „Death before noon“ an Hemingway. Besonders lebendig wird Prag in den Gedichten des bislang einzigen tschechischen Literatur-Nobelpreisträgers (1984) Jaroslav Seifert (1901–1986) – vor allem in den Altstadtgassen, Innenhöfen und im ehemaligen Arbeiterviertel Žižkov, wo er lange lebte.
Wenn Autoren zu Reisebegleitern werden

Brünn, die zweitgrößte Stadt Tschechiens, ist der Geburtsort zweier weiterer bedeutender tschechischer Schriftsteller: Bohumil Hrabal (1914–1997) und Milan Kundera (1929–2023). Hrabals Bücher finden weltweit Anklang und dienten als Vorlage für einige Verfilmungen. In der Siedlung Kersko in Mittelböhmen verbrachte er mit seiner Frau Eliška viel Zeit in ihrem Wochenendhaus, dessen Umgebung immer wieder in seinen Geschichten vorkommt und heute ein Museum ist. Auch Milan Kunderas Werke wie „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ zählen zu den meistgelesenen Büchern der modernen europäischen Literatur. 2023 wurde in Brünn die Milan-Kundera-Bibliothek eröffnet. Weiter hinaus aus den größeren Städten führen die Geschichten von Autor Jaroslav Rudiš (u. a. „Winterbergs letzte Reise“), der sein Heimatland auch bei der Frankfurter Buchmesse 2026 repräsentiert. Seine Erzählungen spielen unter anderem im Böhmischen Paradies oder in Liberec. In „Gebrauchsanweisung für Bier“ und „Gebrauchsanweisung fürs Zugreisen“ verbindet der zweisprachige Autor, der zwischen seiner Wahlheimat Berlin und Böhmen pendelt, seine Leidenschaft für Bier und Eisenbahnen. Besonders eindrücklich lassen sich seine Geschichten daher vom Zugfenster aus erleben.
Drei Frauen, drei literarische Landkarten

Kateřina Tučková, Alena Mornštajnová und Markéta Pilátová zählen zu den prägendsten Stimmen der tschechischen Gegenwartsliteratur und sind ebenfalls bei der Frankfurter Buchmesse 2026 vertreten. Ihre Herkunft aus Mähren eint sie ebenso wie die enge Verbindung ihrer Werke zu den Landschaften und Städten dieser Region. Sie zeigen ein literarisches Tschechien, das weit über Prag hinausreicht und seine Geschichten in Städten, Bergen, Grenzregionen und Landschaften findet. Tučková erzählt in ihren Büchern von Brünn, den Weißen Karpaten sowie dem Reichensteiner Gebirge und kehrt selbst immer wieder an die Orte zurück, die ihre Romane inspirierten. Mornštajnová, eine der meistgelesenen Autorinnen Tschechiens, ist eng mit ihrer Heimatstadt Valašské Meziříčí und der Landschaft der Walachei verbunden, die auch in ihrem Roman „Hana“ eine zentrale Rolle spielt. Pilátová wiederum verbindet ihre Erfahrungen aus zwölf Jahren in Argentinien und Brasilien mit ihrer Verbundenheit zu den tschechischen Bergen. Zu ihren literarischen Orten gehören das Alvatergebirge, Velké Losiny und die UNESCO-Städte Kroměříž und Litomyšl.
