Frankfurter Buchmesse 2026: Tschechien im Fokus
Die tschechische Literatur behauptet auch heute ihren festen Platz in der Welt und wird deshalb vom 7. bis 11. Oktober 2026 Ehrengast der Frankfurter Buchmesse in Deutschland sein. Das Thema des tschechischen Gastauftritts auf dieser größten und bedeutendsten Buchmesse der Welt lautet „Tschechien: ein Land an der Küste“. In Frankfurt präsentieren ausgewählte zeitgenössische tschechische Autorinnen und Autoren ihre Werke, darunter auch zahlreiche Stars der Gegenwartsliteratur, die bereits auf dem deutschen und europäischen Markt bekannt sind.
Jaroslav Rudiš: Der tschechische Autor, der Deutschland erobert hat
Wer gern mit der Bahn reist und dabei gute Literatur mit europäischem Flair schätzt, sollte sich die Bücher von Jaroslav Rudiš nicht entgehen lassen. Der tschechische Autor genießt längst auch in der deutschen Kulturszene hohes Ansehen genießt. 2026 wird er auf der Frankfurter Buchmesse auftreten, wo Tschechien Ehrengast sein wird.Rudiš – tschechisch-deutscher Autor und Eisenbahnliebhaber
Jaroslav Rudiš ist tschechisch-deutschsprachiger Autor, Journalist, Musiker und Drehbuchautor, dessen Bücher Leserinnen und Leser in Tschechien und im Ausland gleichermaßen erreichen. Er gehört zu den markantesten Stimmen der zeitgenössischen mitteleuropäischen Literatur. Bekannt ist er vor allem dafür, wie gut er Atmosphären einfängt: Städte, Züge, Grenzlandschaften und versteckte Orte wirken bei ihm sehr lebendig. Der in Berlin lebende Autor ist ein großer Bahnfan. Er schreibt nicht nur über tschechische Strecken, sondern über Bahnreisen in ganz Europa – oft direkt im Zug.
Große Aufmerksamkeit bekam er mit dem 2002 erschienenen Roman „Der Himmel unter Berlin“. Die Geschichte eines jungen Tschechen in Berlin verbindet existenzielle Fragen mit der Energie der dortigen Musikszene. Dieses Thema taucht in seinem Werk immer wieder auf.
Alois Nebel: tschechischer Comic, europäisches Phänomen
Seinen internationalen Durchbruch hatte Rudiš mit der Kult-Comic-Trilogie „Alois Nebel“, die er gemeinsam mit dem Künstler Jaromír 99 geschaffen hat. Im Mittelpunkt steht ein Zugführer – inspiriert von Rudiš’ Großvater – dessen Geschichte im Altvatergebirge nördlich der historischen Universitätsstadt Olomouc spielt. Die Region ist bekannt für ihre schöne, ruhige Natur und ein beliebtes Ziel für alle, die wandern, Sport machen oder einfach abschalten wollen. Der Comic wurde erfolgreich verfilmt und mit dem Europäischen Filmpreis ausgezeichnet.
Auf Rudiš’ Spuren: Ještěd, Prag und Clubs

Rudiš’ Schauplätze in Tschechien verbinden oft die Straßen und Kneipen Prags mit Grenzstädten und den Bergen Nordböhmens. Züge spielen dabei eine zentrale Rolle – sie geben seinen Geschichten dieses typische Gefühl von Zeit, Erinnerung und leichter Nostalgie.
Wer Lust hat, seinen Büchern zu folgen, findet viele spannende Orte:
„Grandhotel“ spielt vor der Kulisse des bekannten Hotels und Fernsehsenders auf dem Ještěd (Jeschken) bei Liberec, in einer eindrucksvollen Berglandschaft. Perfekt für Spaziergänge, Wanderungen, Wintersport oder einfach zum Abschalten mit Blick auf das Böhmische Paradies und das Isergebirge.
„Weihnachten in Prag“ führt mitten hinein in einen Weihnachtsabend in der verschneiten Stadt – durch die Gassen der Kleinseite, entlang der Moldau und vorbei an Cafés und traditionellen Kneipen. Ideal für einen winterlichen Städtetrip, Weihnachtsmärkte und das Entdecken der schönsten Ecken Prags. Die Atmosphäre vermittelt das Gefühl, direkt mit Rudiš durch die Stadt zu laufen.
Die beiden Bücher „Gebrauchsanweisung fürs Zugreisen“ und „Gebrauchsanweisung für Bier“ sind zwei sehr zugängliche, unterhaltsame Bücher über das Zugreisen und den Biergenuss in Tschechien, Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien (Triest). Eine schöne Inspiration für alle, die Europa entspannt und neugierig entdecken wollen.
Franz Kafka: Weltberühmter Schriftsteller aus Prag
Der Tag des Gedenkens an Franz Kafka (3. 7. 1883 – 3. Juni 1924) rückt näher. Seine Bücher Amerika, Der Prozess, Das Schloss oder die Erzählung Die Verwandlung gehören zu den Schätzen der Weltliteratur. In Kafkas Werken erwachen das einstige Prager Judenghetto, die Kleinseite (Malá Strana) oder die Prager Burg. Kafka stammte aus Prag, aus der deutschsprachigen jüdischen Gemeinschaft.
Die meiste Zeit seines Lebens verbrachte er in der Prager Altstadt. Sein Geburtshaus U věže (Zum Turm) stand an der Ecke der Straßen Maiselova und Kaprova. Hiervon blieb lediglich das Steinportal erhalten, welches heute mit einer Gedenktafel versehen ist. Kafkas Familie lebte eine Weile im reizvollen Haus U minuty (Zur Minute) mit einem Sgraffito-Schmuck in unmittelbarer Nähe des Altstädter Rathauses. Der spätere Schriftsteller hatte es lediglich ein Stück zu Fuß in das deutsche Gymnasium im Kinský-Palais, dem heutigen Sitz der Nationalgalerie. Besuchen können Sie auch die Kafka-Buchhandlung und das Franz-Kafka-Museum. Dem in Prag geborenen Schriftsteller ist auch eine treffend gewählte Statue unweit des jüdischen Viertels gewidmet.
Karel und Josef Čapek, die Autoren des Wortes Roboter
Einer schrieb Bücher und Theaterstücke, der andere malte hauptsächlich, jedoch gehörten sie beide zur tschechischen kulturellen Elite. Die Gebrüder Karel und Josef Čapek (9. 1. 1890 – 25. 12. 1938, 23. 3. 1887 – April 1945) hinterließen ihre Spuren unter anderem im Gebirgsurlaubsort Špindlerův Mlýn (Spindlermühle) sowie in Hradec Králové (Königgrätz), einer Studentenstadt voller wertvoller Architektur. In Prag weilten sie in einer Doppelvilla inmitten des ruhig gelegenen Viertels Vinohrady (Weingärten). Das Doppelhaus ist eines der wertvollsten Bauwerke in ganz Prag wie auch in Tschechien.
Karel schrieb Die weiße Krankheit, Krakatit, R.U.R. oder das reizvolle Büchlein nicht nur für Kinder: Daschenka. Das Leben eines jungen Hundes. Josefs Bilder können Sie in den Sammlungen der Nationalgalerie sehen. Ihren Einzug in die Weltsprache hielten sie, was Sie womöglich kaum ahnen, mit dem Wort ROBOTER. Die meisten Menschen glauben, dass es für sein Buch R.U.R. Karel ersann. Dem ist nicht so. Josef riet dem Bruder, das Wort Roboter zur Benennung künstlicher Arbeiter zu verwenden.
Auf den Spuren des Träumers Bohumil Hrabal
Seine Bücher werden in der ganzen Welt geliebt. Sie dienten als Vorlage wunderbarer Filme, welche mit goldenen Lettern in die Geschichte der tschechischen Kinematografie eingingen. Den Spuren von Bohumil Hrabal (28. 3. 1914 – 3. 2. 1997), dem Katzenliebhaber und herzlichen Freidenker, können Sie insbesondere an zwei Orten in Tschechien folgen. Rund um die Stadt Nymburk und im Prager Viertel Libeň. Beide Orte sind für einen angenehmen Spaziergang ideal.
In der Siedlung Kersko nahe der Stadt Sadská weilte er in seiner Hütte mit grünen Fensterläden. Diese wurde unlängst saniert und lädt nunmehr zu einer neuen Ausstellung ein. Hier weht Ihnen die Atmosphäre von Hrabals Büchern entgegen. Die Mitarbeiter des Museums wollten den dortigen Genius Loci erhalten und den Raum so gestalten, als ob ihn der Schriftsteller selbst vor wenigen Minuten verlassen hätte. Von den ursprünglichen Stücken gelang es, unter anderem die Schränke, die Truhe, die Regale, den Kleiderständer und kleinere Einrichtungsgegenstände zu retten.
In der unweit gelegenen Brauerei Postřižinský pivovar verlebte der Schriftsteller seine Kindheit und das frühe Erwachsenenalter. Sollten Sie Ihren Ausflug stilvoll beenden wollen, trinken Sie in der dortigen Bierstube ein Glas Bier der Marke Postřižinské.
Hrabals Prag konzentriert sich im Prager Viertel Libeň, rund um die Straße Na Hrázi (Auf dem Damm) mit einer nicht zu übersehenden Gedenkmauer. Gerade an diesen Orten stand das Haus Nummer 24, vom Schriftsteller Auf dem Damm der Ewigkeit genannt. Hrabals Ort finden Sie gleich am Ausgang der gelben Metrolinie B (Station Palmovka). Die Hektik in Libeň beschrieb er insbesondere in den Büchern Příliš hlučná samota (Allzu laute Einsamkeit), Něžný barbar (Sanfte Barbaren) oder Automat Svět (Automat Welt).
Die Wanderung auf den Spuren des studierten Juristen führt weiter vom Schlösschen Libeň zum Theater Divadlo pod Palmovkou, oder in entgegengesetzter Richtung auf den Hügel zum Krankenhaus Na Bulovce, wo der Schriftsteller im dreiundachtzigsten Lebensjahr am 3. Februar 1997 nach einem Sturz aus dem Fenster im fünften Stock der orthopädischen Klinik starb. Sein Tod beim Füttern der Tauben ist bis heute in ein Geheimnis gehüllt.
Und wenn man Hrabal sagt, dürfen wir nicht die berühmte Bierstube U Zlatého tygra (Zum Goldenen Tiger) in der Straße Husova ulice, direkt im historischen Zentrum Prags, unerwähnt lassen. Dort war er häufiger Gast. Unter anderem traf er sich dort mit dem amerikanischen Präsidenten Bill Clinton.
Zu Milan Kundera nach Brünn
Milan Kundera (1. 4. 1929 – 11. 7. 2023) gehört zweifelsohne zu den in der Welt berühmtesten Schriftsteller tschechischer Herkunft. Einen Großteil seines Lebens verlebte er in Paris, er wurde französischer Staatsbürger und erachtete sich selbst als französischen Schriftsteller. Seine Heimatstadt war Brno (Brünn), die südmährische Metropole, wo Sie die Milan-Kundera-Bibliothek finden. Sie hat ihr Domizil im ersten Stock der Mährischen Landesbibliothek.
Einer der am meisten übersetzten tschechischen Schriftsteller, ein großer Bewunderer des Komponisten Leoš Janáček, hinterließ ein beachtenswertes Werk: Der Scherz, Die Unsterblichkeit oder Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins. In der amerikanischen Verfilmung des letztgenannten Buches spielten Daniel Day-Lewis und Juliette Binoche.
Hašeks braver Soldat Schwejk
Der urwüchsige Humorist Jaroslav Hašek (30. 4. 1883 – 3. 1. 1923), von dem man sagt, dass er in die tschechische Seele zu blicken vermochte, und welcher das Leben mit jedem Atemzug liebte, schrieb das legendäre Buch Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk. Auf seine Spuren können Sie sich von Světlá nad Sázavou nach Lipnice nad Sázavou begeben.
Hašek suchte gern und häufig Bierkneipen auf, wo er die Atmosphäre und Inspiration in sich einsog. Das einzige Gasthaus, welches sich an Hašek zu erinnern vermag, ist neben dem Restaurant U České koruny (Zur Tschechischen Krone) in Lipnice, welches Hašeks Nachfahren besitzen, das Gasthaus U Muchů in der Gemeinde Dolní Město. Dieses ließ die Gemeinde zu einem Kulturhaus umbauen. In Prag finden wir mehrere Restaurants, die Schwejk in ihrem Namen tragen, sowie Hašeks Geburtshaus in der Straße Školská Nr. 16. Über dem Portal befindet sich eine Gedenktafel.
Die Großmutter und der Maulwurf
Zu den weiteren Autoren, die wir nicht unerwähnt lassen sollten, gehört der Vater des gezeichneten Maulwurfs, der Illustrator Zdeněk Miler, der Gegenwartsschriftsteller Michal Viewegh, der in Frankreich geliebte Patrik Ouředník oder der Dramatiker Pavel Kohout.
Die am meisten übersetzte tschechische Autorin ist Božena Němcová, die ihr berühmtes Buch Die Großmutter (Babička) im Haus in der Straße Ječná in Prag schrieb, wo wir am Giebel des Gebäudes Nr. 28 eine bronzene Gedenktafel mit dem Porträt von Božena Němcová finden (gleich gegenüber befindet sich der herrliche Botanische Garten, den Sie unbedingt besuchen sollten). Von der jüngsten Generation seien Bianka Bellová, Kateřina Tučková oder Leoš Kyša, der Star der Fantasy-Literatur, erwähnt, dessen Bücher in Polen unter dem Pseudonym František Kotleta „verschlungen“ werden.










