Von Prag nach Kopenhagen
Das internationale Schienennetz in Tschechien wächst. Seit Mai 2026 gibt es eine neue Verbindung der staatlichen České dráhy in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn und der DSB, die Prag über Děčín, Dresden, Berlin und Hamburg direkt mit Kopenhagen verbindet. Leo Express ergänzt das Angebot mit einer neuen Verbindung von Frankfurt am Main über mehrere tschechische Städte bis nach Polen. Ab Dezember übernimmt zudem ein neuer Betreiber die Strecke zwischen München und Prag mit Halten auf beiden Seiten der Grenze.
Nächster Halt: Prag!
In Prag wartet die erste Sehenswürdigkeit direkt bei der Ankunft. Der historische Teil des Prager Hauptbahnhofs, das sogenannte Fanta-Gebäude, zählt zu den eindrucksvollsten Jugendstilbauten der tschechischen Hauptstadt. Wer dort bei einem Kaffee auf den nächsten Zug wartet, sitzt gewissermaßen im Vorzimmer der Stadt. Reich verzierte Hallen, kunstvolle Ornamente und historische Architektur verleihen dem Bahnhof jene Grandezza, die sonst häufig Museen oder Opernhäusern vorbehalten bleibt. Gleichzeitig bildet er einen Ausgangspunkt für Ausflüge in die Region Mittelböhmen, deren Burgen, Schlösser und Flusstäler nur wenige Zugminuten entfernt liegen.

Kathedralen der Begegnung
Der tschechische Schriftsteller Jaroslav Rudiš zählt zu den bekanntesten Botschaftern der europäischen Bahnkultur. Bahnhöfe bezeichnet er gern als „Kathedralen“ – Orte des Ankommens, Aufbrechens und der Begegnung. Rudiš schwärmt jedoch nicht nur von den großen Verkehrsknotenpunkten wie dem Prager Hauptbahnhof. Seine Aufmerksamkeit gilt ebenso den kleinen Stationen am Rand der Landkarte, den Nebenstrecken und Bahnhofswirtschaften.
Ein Beispiel dafür bietet die historische Stadt Cheb (deutsch: Eger) in Westböhmen. Mittelalterliche Gassen und jahrhundertealte Geschichten laden zu einem Zwischenstopp ein. Im September 2026 rückt Cheb zusätzlich in den Mittelpunkt der tschechischen Eisenbahnwelt, wenn dort am 12. und 13. September die Nationalen Eisenbahntage stattfinden. Andernorts erwachen alte Gebäude zu neuem Leben: Im mittelböhmischen Nižbor entstand aus einem ehemaligen Bahnhofsgebäude ein beliebtes Ausflugsrestaurant, das den Charme vergangener Zeiten bewahrt. Noch ungewöhnlicher fällt eine Übernachtung im Erzgebirge aus: Am Bahnhof von Kovářská stehen ehemalige Waggons mit Panoramafenstern auf den Gleisen. Heute dienen sie als komfortable Glamping-Unterkünfte, umgeben von der stillen Landschaft des Erzgebirgskamms. Auch die Brauerei Kocour in Varnsdorf verbindet Eisenbahnromantik mit Gastlichkeit. Eine eigene Zughaltestelle führt direkt zur Brauerei, während historische Waggons als außergewöhnliche Unterkünfte dienen.
Ein Ticket für den Sommer
Wer sich in den warmen Monaten ganz den romantischen Zugreisen widmen möchte, findet im Sommerticket der České dráhy den passenden Begleiter. Das Ticket gilt vom 1. Juli bis zum 31. August 2026 und ermöglicht unbegrenzte Fahrten im Streckennetz der Tschechischen Bahn. Zur Auswahl stehen Varianten für sieben oder 14 aufeinanderfolgende Tage.
